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Oca – Die brasilianische Urhütte
Kultureller und konstruktiver Wandel im Werkstoff

Oca Oca-Hütte im Bau, Ausstellungspavillon Oca (Oscar Niemeyer, 1951)

Fr 16.03. – Mo 26.03. | 10-11 Teilnehmende
Kostenrahmen E

Impressionen Objekte | Poster

Oca ist die Urhütte Brasiliens, konstruiert aus einem feingliedrigen Netz sowohl kräftiger als auch schlanker Holzbalken und gedeckt mit Farn- und Palmenblättern. ‚Oca‘ meinte in der Sprache der Tupi-Guarani zunächst ein grosses Haus ohne Unterteilungen, in dem viele Familien gemeinschaftlich leben, während es heute in Brasilien für den Urhütten-Typus allgemein steht. Die Behausungen mit meist rundlichen Grundrissen beherbergten bis zu einhundert Menschen und wurden über Jahrhunderte hinweg mit einfachsten Mitteln errichtet. Dabei bildete sich eine ganz eigene Art des Holzhandwerks heraus, das sich wesentlich von unserem unterscheidet, und zwar u.a. bezüglich der Typologie der Bauteile, deren Verbindung sowie der Gebäudeerrichtung.
Heute ist Brasiliens Architektur international bekannt wegen seiner prominten Betonbauten der letzten Jahrzehnte, wobei hier vor allem Oscar Niemeyer eine Schlüsselrolle zukommt. Niemeyer errichtete 1954 in Sao Paulo im Ibirapuera Park ein Ausstellungsgebäude, das er selbst ‚Oca‘ nannte. Obwohl sich Niemeyers Betonbau bezüglich der Offenheit seines Innenraumes und der Geschlossenheit gegenüber dem Aussenraum an das traditionelle Konzept anlehnt, entfernt sich der neue Werkstoff deutlich von der einstigen Einfachheit menschlicher Handarbeit.
Die Seminarreise will das traditionelle, urtypische Konstruieren mit Holz praktisch nachvollziehen und mit den Charakteristiken industrieller Baustoffe, am Beispiel der Betonkonstruktionen der brasilianischen Moderne, vergleichen. Dabei soll der technisch-konstruktive Wandel innerhalb der Baustoffe genauso deutlich werden wie der kulturell-ästhetische.

Last modified 19.4.2012