PROFESSUR FÜR TRAGWERKSENTWURF
ETH ZÜRICH  –  DARCH  –  ITA  –  HOME  –  FORSCHUNG  –  SERGIO MUSMECI 
DE | EN | PRINT |
GO
Sergio Musmeci: Die Form als Unbekannte
L. Ingold
2014 -


Basento Brücke in Potenza (Foto: Lukas Ingold)

Sergio Musmeci (1926-1981) ist während der Nachkriegszeit in Italien eine transdisziplinäre Figur zwischen Architektur und Ingenieurwesen. Sein vielfältiges Werk ist besonders von experimentellen Entwurfsmethoden geprägt und verkörpert das Ideal des gegenseitigen Bedingens von Tragstruktur und architektonischer Form. Musmeci widmet sich der Erforschung neuer, materialsparender Formen für Tragwerke in Stahlbeton. Anhand von Experimenten mit mathematischen und physischen Modellen wird die konkrete Form von Bedingungen des Kräfteverlaufs entlehnt. Dieses Vorgehen widerspiegelt sich in der Massgabe, dass nicht die inneren Beanspruchungen, sondern die Form die Unbekannte darstellen soll. Gleichzeitig veranschaulicht die Kontinuität der neuen Formen die Plastizität des frei formbaren Werkstoffs Stahlbeton.

Die Forschungsarbeit untersucht Musmecis Strukturkonzeptionen als Teil einer genealogischen Entwicklung, welche von den frühen, typologischen Faltwerken bis hin zu den neuartigen Flächentragwerken verfolgt werden kann. Der schrittweise Wandel von möglichst wirtschaftlichen Konstruktionen hin zu «minimalen Strukturen» wird im Kontext der italienischen Ingenieursschule und des internationalen Formfindungs-Diskurses dargestellt. Die Analyse exemplarischer Projekte anhand von Primärquellen bringt die Entstehung der Entwurfsmethodik und den Einfluss auf die Form zum Ausdruck. Die Untersuchung ermöglicht die Rekonstruktion des spezifischen Entwurfsansatzes sowie die Klärung von Überschneidungsbereichen übergeordneter architektonischer und ingenieurwissenschaftlicher Fragestellungen, welche aus den neuen Herausforderungen und Massstäben im Bauen dieser Zeit entspringen. Musmecis Werk lässt sich in einer einflussreichen, transdisziplinären Denkbewegung der Nachkriegszeit einordnen.

Die Forschungsarbeit wird unterstützt durch ein Mobilitätsstipendium des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und durch das Istituto Svizzero di Roma (ISR).

Last modified 19.9.2016